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Der Einsatz von Pfefferspray: Erlaubt oder nicht erlaubt? Wir klären dich auf

Das unsichere Gefühl beim alleinigen Joggen oder auf dem Heimweg im Dunkeln kennen wir alle nur zu gut. Es weckt das Bedürfnis, sich selbst im Falle eines Angriffs verteidigen und schützen zu können. Daher haben sich in den letzten Jahren vor allem immer mehr Frauen ein Pfefferspray zur Selbstverteidigung zugelegt. Doch bietet ein Pfefferspray dir wirklich mehr Sicherheit? Was gibt es beim Einsatz zu beachten und ist es überhaupt erlaubt?

In diesem Artikel zeigen wir dir, was du unbedingt wissen solltest, wenn du ein Pfefferspray besitzt oder mit dem Gedanken spielst, dir eins zu kaufen.

Rechtliche Grundlagen und mögliche Konsequenzen

Pfeffersprays, die die Aufschrift “Tierabwehrspray” tragen, dürfen in Deutschland legal in Waffenläden, Online-Shops oder Drogerien erworben und anschließend von jedem ohne Altersbeschränkung mitgeführt werden. Sie fallen nicht unter das Waffengesetz, weil sie nicht dazu bestimmt sind, gegen Menschen eingesetzt zu werden. Bei einigen Veranstaltungen und auch in vielen europäischen Ländern, wie den Niederlanden, Großbritannien und Belgien ist Pfefferspray jedoch verboten.

Wird Pfefferspray gegen Menschen eingesetzt, erfüllt dies den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung. Im Falle eines Angriffs kann der Einsatz des Pfeffersprays jedoch als Notwehr gerechtfertigt sein. Dasselbe gilt für die Nothilfe, also wenn du eine dritte Person in einer Notsituation verteidigen möchtest. Es ist jedoch grundsätzlich im Nachhinein schwer zu beurteilen, ob die Abwehrhandlung der Situation angemessen war. Deshalb solltest du mit Pfefferspray keinesfalls leichtfertig umgehen.
Eine amtliche Zulassung für Tierabwehrsprays gibt es nicht, da der ungiftige, natürliche Wirkstoff Oleoresin Capsicum in Deutschland noch nicht zugelassen wurde. Dazu wären Tierversuche erforderlich, die allerdings gemäß des Tierschutzgesetzes verboten sind.

Pfeffersprays ohne die Aufschrift “Tierabwehrspray” fallen unter das Waffengesetz, sind aber zulässig, solange:

  • der Wirkstoff als gesundheitlich unbedenklich zugelassen ist. Amtlich geprüft sind die Wirkstoffe 2-Chlorbenzylidenmalonsäuredinitril (bekannt als Tränengas) und Omega-Chloracetophen.
  • nur max. 80mg des Wirkstoffs enthalten sind
  • die Reichweite des Pfeffersprays auf 2m begrenzt ist
  • es das Prüfzeichen der Physikalisch-Technischen Prüfanstalt enthält (PTB)

Diese Pfeffersprays unterliegen allerdings einer Altersbeschränkung und dürfen nur von Personen über 14 Jahren erworben und mitgeführt werden.

Das passiert, wenn du Pfefferspray einsetzt

Nehmen wir an, du befindest dich alleine auf dem Heimweg, wirst angegriffen und beschließt dein Pfefferspray einzusetzen.

So funktioniert es:

Die Sprühdose setzt den Wirkstoff Capsaicin als Flüssigkeit, Schaum oder Gel in einem Sprühnebel oder Strahl frei, der etwa 1,5 bis 5 Meter reichen kann. Das Capsaicin wird aus dem Harzöl von Pflanzen wie Chilis oder Paprikas gewonnen und greift deshalb als Reizstoff das zentrale Nervensystem an.

Wie du das Pfefferspray richtig anwendest:

Zu deinem Selbstschutz solltest du das Pfefferspray nie gegen die Windrichtung oder in geschlossenen Räumen benutzen. Das Gesicht ist eine eher kleine Angriffsfläche. Deshalb macht es mehr Sinn, das Produkt auf den Brustbereich des Angreifers zu sprühen, denn von der kontaminierten Kleidung aus verdampft das Spray gleichmäßig und langsam. Vermeide es, den Angreifer zu lange und zu stark zu besprühen. Ein zu intensiver Kontakt mit dem Reizstoff hat gesundheitliche Risiken. Außerdem bringt ein unverhältnismäßiger Einsatz des Pfeffersprays für dich im Falle einer Anzeige wegen Körperverletzung auch rechtliche Konsequenzen mit sich.

Die Auswirkungen und Risiken von Pfefferspray:

  • Die Wirkungen treten innerhalb weniger Sekunden ein und können bis zu 48 Stunden anhalten.
  • Der Reizstoff verursacht heftig brennende Schmerzen in den Augen.
  • Die Schwellung der Schleimhäute bewirkt ein krampfartiges Schließen der Augen für 5 bis 10 Minuten.
  • Das Einatmen des Sprays führt zu starkem Husten und Atemnot.
  • Es verursacht starkes Brennen und Juckreiz auf den besprühten Hautstellen für 15 bis 40 Minuten.
  • Beim Einsatz von Pfefferspray kannst du auch selbst in Kontakt mit Reizstoff kommen und dir Schaden zufügen.
  • Längerer Kontakt mit den Augen kann zu Verätzung und Austrocknen der Hornhaut und zeitweiligem Sehverlust führen.
  • Falls das Gas bis in den Rachen eingedrungen ist, können die Atemwege zuschwellen und es besteht Erstickungsgefahr. Für Asthmatiker besteht dadurch sogar Lebensgefahr!

Die richtige Behandlung:

Der Wirkstoff muss so schnell wie möglich unter kaltem Wasser ausgespült werden und trotz des Zuschwellens der Augen sollten Kontaktlinsen sofort entfernt werden. Vermeide Kratzen und Reiben und ziehe die kontaminierten Kleidungsstücke aus.

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